
Zu mir: ich fahre privat einen Jaguar XE 2.0 Diesel mit 186PS und einem Tankinhalt von 56l, womit ich ca. 950 km weit komme, bei Autobahnfahrten mit 160km/h sinkt die Reichweite auch mal auf 850 km.
Ich habe im April 2025 eine Rosamunde Pilcher Gedächtnistour mit meiner Mutter durch den Süden Englands geplant. Diese sollte 3 Tage dauern und von London quer durch den Süden bis nach Perranarworthal und wieder zurück gehen – eine Strecke von grob 2 x 400 km plus diverse Abstecher. Dazu hatte ich mir einen Mietwagen bestellt – einen Benziner. Die Mietwagenfirma war so freundlich, mir ein Upgrade auf einen elektrischen BMW i5 mit einer 81.2 kWh-Batterie und 340 PS zu geben. Die Reichweite wird mit bis ca. 560 km angegeben. Ich dachte mir, was kann da schon schiefgehen und habe das Auto genommen und getestet – meine erste Fahrt in einem E-Fahrzeug.
Also ging es vollgeladen los, erste Etappe Oxford, Strecke 78km Autobahn, max. Geschwindigkeit 112 km/h. Was mir auffiel: scheinbar war die Rekupation (Rückgewinnung von Bremsenergie) auf Maximal eingestellt. Hat man das Gas nur etwas weggenommen, hingen wir beide in den Gurten. Ich hatte zwar versucht, mich durch die Menüs zu hangeln, habe das aber bald wieder aufgegeben. Die Steuerung war mir zu umständlich. Ich konnte zwar sehr einfach die Stimmung der Ambient-Beleuchtung ändern, aber wo ich die Rekupation einstelle, habe ich nach einer viertel Stunde noch nicht gefunden. Da ich bei einem Mietwagen nicht ewig Einstellungen vornehmen will, habe ich es so belassen.
Von Oxford ging es dann mit kleinen Zwischenstopps weiter bis nach Bridgewater, also noch einmal 186 km. Damit habe ich am ersten Tag 268 km zurückgelegt, der Akkustand zeigte mir noch 15% Restkapazität an.

Wir sind am nächsten Morgen zu einem Supermarkt im Ort mit verzeichneter Ladesäule gefahren. Habe diese auch im strömenden Regen gefunden, eine Ladesäule der Kette Genie Point, die nur per App zu bedienen war. Also habe ich die App heruntergeladen und versucht, mich zu registrieren. Leider erfolglos. Ich musste für die 2-Schritte-Verifizierung meine Telefonnummer hinterlegen. Zwar konnte ich für die Handynummer eine deutsche Landesvorwahl auswählen, aber die Länge meiner Telefonnummer passte nicht – eine Stelle zu viel. Im Internet gab es jedoch die Möglichkeit eines Gastzuganges, ich musste nur 20 Pfund Vorkasse aufladen. Das hat beim dritten Versuch dann auch geklappt und ich konnte laden. Dann hieß es erst mal gemütlich shoppen und Kaffee trinken, eine knappe Stunde später zeigte der BMW dann knapp 45% Restakku – also 30% geladen in einer Stunde.
Wir sind dann 117km weiter Richtung Südwesten gefahren, bis nach Bideford. Dort war laut Google Maps eine weitere Säule des Betreibers verzeichnet. Ich habe diese auf einem öffentlichen Parkplatz gefunden, sie war auch als Ladesäule der Kette Genie Point gekennzeichnet. Nur wurde sie weder in der App noch im Internet gelistet und ließ sich somit nicht in Betrieb nehmen. Es war zwar ein Kreditkartenleser vorhanden, aber auch der reagierte nicht. Nach einer viertel Stunde im strömenden Regen immer mit einer Starkstromleitung in der Hand habe ich resigniert aufgegeben und bin 4 km weiter zum nächsten Supermarkt gefahren um dort zu laden. Diesmal gab es Ladesäulen ohne Kabel, so dass ich eines der mitgelieferten aus dem BMW verwenden durfte. Diese sind unter dem Kofferraum verstaut, also erst mal Koffer raus, passendes Ladekabel suchen, Koffer wieder rein. Die mitgelieferten Kabel sind ziemlich steif und widerspenstig und – bei strömenden Regen – hat man sich ruckzuck die Klamotten eingesaut. Hier habe ich es schon nach einer halben Stunde geschafft, Saft zu bekommen und es stand wieder ein Einkaufsbummel in Südenglands kleinsten Tesco Supermarkt ohne Kaffee an. Irgendwie haben wir es geschafft, eine Stunde tot zu schlagen und ich habe den Akku wieder auf knapp 30% beladen.
Von dort ging es dann weiter zu nächsten Ladesäule in Bodmin, 86km weiter. Die Restanzeige ging so langsam Richtung 0. Hier war wieder eine Säule der Kette Genie Point verzeichnet, diesmal auch innerhalb der App. Diese Säule habe ich nicht gefunden, dafür eine von Shell, die direkt Kreditkarten akzeptiert hat und die Gott sei Dank etwas mehr Power lieferte. Wir sind erst mal in den Pub, haben dort Abendbrot gegessen und einen heißen Kaffee getrunken. Der tat den Tag auch Not, es hat nicht nur geregnet, sondern war an diesem Tag sehr kühl. Nach 1 ½ Stunden war das Auto voll betankt und wir sind die restlichen 50 km in unsere Unterkunft nach Perranarworthal gefahren.
Somit habe ich die ersten beiden Tage mit 2 x Teil-Laden und 1 x Voll-Laden 471 km geschafft, die Ladezeit betrug insgesamt 3 ½ Stunden und ich musste einige Highlights der Tour streichen. Die ersten 100 km waren Autobahn mit einer Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h (70 m/h). Der Rest war Landstraße mit Höchstgeschwindigkeit 96 km/h (60m/h). Wer die englischen Straßen kennt, weiß, dass man diese Geschwindigkeit auf Landstraßen kaum erreicht.

Am letzten Tag ging es dann mit kleinen Zwischenstopps wieder zurück nach London. Diesmal war ich besser vorbereitet und habe die Tour mit Ladestop in Taunten geplant, also nach 264 km. Wir kamen dort mit 20% Restakku an. Die Ladesäule befand sich auf dem Gelände eines Premier Inn Hotels. Diesmal klappte auch alles beim Laden und mit Sonnenschein. Auf der Suche nach einem Restaurant sind wir ins Hotel. Dort wurden wir nicht fündig, es gab weder Restaurant noch Kaffee, dafür erfuhr ich, dass, wenn ich auf dem Hotelgelände lade, ich mich erst mal als Gast registrieren muss. Ansonsten drohen 60 Pfund Strafe wegen falschen Parkens. Wenigsten war die Registrierung kostenlos und um die Ecke gab es ein nettes Restaurant, in dem wir eine Stunde verbrachten. Wieder am Auto stellte ich fest, dass es zu 100% geladen war – diesmal also ein superschneller Lader. Die restlichen 269 km bis zur Fahrzeugrückgabe hat der BMW mit 75% Akkuverbrauch zurückgelegt, hatte dann noch die üblichen 25% Restladung.
Insgesamt kann ich sagen, dass die angegebenen 560 km Reichweite maßlos übertrieben sind, 350km sind bei normaler Fahrweise das absolute Maximum. Ich habe in Summe 1.004 km zurückgelegt, habe dazu 2 x Teil-geladen und 2 x Voll-geladen. Gekostet hat mich das in Summe 170,82 – ohne Kosten für Kaffee und Essen. Zeitaufwand für die Ladestops in Summe 4 ½ Stunden. Hätte ich die Strecke mit einem Benziner oder Diesel gemacht, hätte ich auch mindestens einmal Tanken müssen, Kosten ca. 80 €, Zeitaufwand 5 Minuten. Ich durfte das Auto mit leerem Tank wieder zurückgeben.

Mein Fazit: Elektroautos gehören nicht auf die Landstraße oder Autobahn, hier ist der Kosten – Nutzen – Effekt einfach viel zu negativ. Die Ladekosten gegenüber einem vergleichbaren Benziner sind wesentlich höher.
Dazu kommt, dass die zwar zahlreich vorhandenen Ladesäulen immer irgendwo im freien, meist in landschaftlich wenig ansprechenden Bereichen ohne jeden Wetterschutz stehen. Man muss sich, wenn es denn funktioniert, für alle möglichen Anbieter registrieren. In Großbritannien hat man zumindest an einigen Säulen noch die Möglichkeit, direkt mit der Kreditkarte zu zahlen, dann eben zu höheren Preisen.
Der viel gepriesene Fahrspaß hielt sich für mich durch die Rekupationsbremsungen sehr in Grenzen, und auch die Beschleunigung, die ja bei Elektroautos so mächtig sein soll, war im Vergleich zu meinem Jaguar nicht wirklich überzeugend, da ja knapp 1 Tonne zusätzliches Batteriegewicht mit zu beschleunigen sind. Ich musste durch den Einsatz des Stromers auf einige Highlights meiner Tour verzichten. Für Stromer ist nicht der Weg das Ziel, sondern der nächste funktionierende Ladepunkt. Darauf ist dann die Strecke auszurichten.






