
Grönland ist kein Randthema, sondern seit Jahrhunderten ein Objekt fremder Interessen. Was heute im Zusammenhang mit Trump, USA oder China diskutiert wird, ist keine neue Entwicklung, sondern die Fortsetzung einer langen Geschichte von Fremdbestimmung.
Dänemark hat Grönland im Zuge der Kolonialisierung faktisch übernommen und über Generationen hinweg politisch, wirtschaftlich und kulturell kontrolliert. Die Inuit hatten keine echte Mitsprache. Erst sehr spät, ab Ende des 20. Jahrhunderts, begann eine schrittweise Selbstverwaltung. Doch auch diese Autonomie ist bis heute begrenzt, vor allem wirtschaftlich.
Im Zweiten Weltkrieg zeigte sich, wie wenig es bei Grönland um die Menschen ging – und wie sehr um Macht und Lage auf der Landkarte. Während Dänemark von Deutschland besetzt war, erklärten die USA Grönland zur Schutzzone und errichteten Militärstützpunkte. Deutschland wagte keinen Angriff, weil ein solcher Schritt einen direkten Konflikt mit den USA bedeutet hätte. Grönland wurde so früh Teil der globalen Machtlogik – ohne je selbst gefragt zu werden.
Nach dem Krieg blieb diese Rolle bestehen. Die USA nutzen Grönland bis heute als militärischen Schlüsselstandort für Überwachung, Raketenabwehr und Kontrolle des Nordatlantiks. Das geschieht nicht aus Freundschaft, sondern aus strategischem Eigeninteresse. Die Sicherheit Grönlands ist dabei eher ein Nebeneffekt.
Gleichzeitig zeigte sich auch im Verhältnis zu Dänemark, wie wenig die Interessen der Inuit zählten. Besonders drastisch wurde das in den 1960er- und 1970er-Jahren, als tausende Inuit-Mädchen und -Frauen ohne echte Zustimmung mit Spiralen versehen wurden, um die Geburtenrate zu senken und die Gesellschaft „zu modernisieren“. Das war staatlich organisierte Bevölkerungspolitik – ein massiver Eingriff in Körper und Würde, der erst Jahrzehnte später öffentlich aufgearbeitet wurde.
Vor diesem Hintergrund wirkt Trumps Idee, Grönland „kaufen“ zu wollen, zwar grob und plump – inhaltlich steht sie aber in einer langen Tradition: Grönland wird wieder als Objekt gesehen, nicht als Subjekt. Ob unter dänischer Krone, im Schatten amerikanischer Militärbasen oder im Blickfeld neuer Großmächte wie China – die Frage ist immer dieselbe: Wer entscheidet über Grönland?
Für viele Grönländer geht es deshalb heute nicht darum, ob sie zu Dänemark oder zu den USA gehören, sondern darum, endlich selbst zu bestimmen. Über ihre Ressourcen, ihre Politik, ihre Kultur – und darüber, ob sie Teil fremder Machtspiele sein wollen oder ein eigenständiger Akteur in einer rauen Weltpolitik. Birgit Ruder





