
Eine Rezension
Ein Gespenst geht um in Deutschland, die Abkehr vom Linkssein. Es ist einfach nicht mehr cool, links zu sein. Links zu sein bedeutet heute, trotzig die Realität verkennen zu wollen.
In dem von Ulli Kulke und Rainhard Mohn herausgegebenen Buch bekennen 14 ehemalige Linke, warum Sie sich abgewandt haben. Persönlichkeiten wie Harald Martenstein, Monika Maron, Dieter Nuhr, Mathias Brodkorb, Ulrike Ackermann, Hubert Kleinert etc. kommen in dem lesenswerten Buch zu Wort.
Ein solches Bekenntnis, eine solche Abkehr macht auf der Linken natürlich ungehalten, und so empfehlen wir die Rezension aus der Taz: https://taz.de/Aufsaetze-von-ehemaligen-Linken/!6165889/ : «die sich in ihrer Argumentation sogar an Rechtspopulisten anbiederten», so urteilt Stefan Reinke, Taz-Rezensent. Mit dieser Wortwahl bestätigt Reinke damit genau die Gründe, die von vielen Ex-Linken als Grund für ihre Abkehr genannt wurde: Denkverbote, Freiheitsfeindlichkeit und eine unauflösbare Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Und klar, oft auch eine persönliche Enttäuschung, nämlich die Erfahrung, von einstigen Weggefährten gemieden zu werden und teilweise als Faschist benannt zu werden.
Der Kohlhammer Verlag legt hier ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument vor. Wir freuen uns übrigens auf die Gegenposition, ein Buch «Warum wir noch links sind». Die letzte Umfrage sieht die NRW-SPD bei 14 % in ihrem eigenen Stammland. Man wird sich beeilen müssen.
Robert von Radetzky






